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Abenteuer-Aufstieg zu den „Schwebenden Klöstern“

Sonnenaufgänge sind unsere neuen Sonnenuntergänge

„Ma-ma!…Maaaa-ma!“ meldet sich mein Mensch gewordener Wecker… Der Blick auf mein Handy verrät mir, dass es 5.45 Uhr ist! Unchristliche Zeit! Unter normalen Umständen würde ich der Klitzekleinen etwas zum Bespielen ins Reisebettchen legen und mich noch einmal, auch wenn es nur für zehn Minuten ist, auf die andere Seite wälzen… Aber es sind keine normalen Umstände! Wir befinden uns in Kalambaka und geniessen von unserem Hotelzimmer die grandiose Sicht auf die steilen Meteora-Felsen.

Also schnappe ich mir meine Jüngste, wickel‘ sie in ihre kuschelige Sternchendecke und setzte mich mit ihr auf den Balkon… jetzt kann es losgehen! Sonnenaufgang! Um ganz ehrlich zu sein, bin ich ein größerer Fan von SonnenUNTERgängen…aber seitdem ich Mutter zweier Mädchen bin, habe ich notgedrungen auch SonnenAUFgänge lieben gelernt. Wahrheitsgemäß liegt es wohl eher daran, dass sowohl die Kleine als auch die Klitzekleine zur Sonnenuntergangszeit entweder bereits friedlich schlafen und der Spanier und ich damit beschäftigt sind, sie in diesen Zustand zu versetzen. Zur Sonnenaufgangszeit sind sie dagegen in der Regel bereits wach und mit ihnen natürlich auch ich! …aber wie gesagt, heute ist das gar nicht schlimm! Der immer heller werdenden Himmel über dem Meteora-Felsen verspricht ein erinnerungswürdiges Schauspiel der Natur zu werden… das meine Klitzekleine allerdings so gar nicht beeindruckt. Sie fängt an sich zu langweilen… nach weiteren fünf Minuten ist es mit der Ruhe vorbei und um nicht das restliche Hotel aufzuwecken, verkürze ich das farbenreiche Schauspiel der Natur für uns und gehe mit meinem sich beschwerenden Kind zurück ins Zimmer und wecke somit NUR die Kleine und den Spanier! Unser Tag mit den sagenhaften schwebenden Klöstern kann beginnen!

Unser Abenteuer kann beginnen

Meteora 2

Als der Spanier unser erstes Ziel – Kloster Agia Triada – ansteuert, schaue ich fasziniert mit kugelrunden Augen und offenem Mund aus dem Fenster… auf den Felsspitzen sieht man nicht nur die besagten zu besichtigen Schwebenden Klöster, sondern auch einige offensichtlich lebensmüde Kletterer, die die steil aufwertsstrebenden Felsnadeln ohne große Sicherheitsvorkehrungen erklettern… Ich habe von den normalen Aussichtspunkten an den Haltebuchten bereits einen wundervollen Blick über die Felsformation, was müssen die Lebensmüden da oben auf der Felsspitze nur für einen einmaligen Ausblick geniessen dürfen!

Als wir vor dem „Eingang“ des Agia Triadas parken und ich voller Tatendrang die Autotür aufreißen will, schüttelt der Spanier bestimmt den Kopf und verkündet, dass weder er noch SEINE Kinder dieses Kloster besteigen werden. Seine latente Höhenangst, die aufgrund des steilen Abhangs, der sich neben uns auftut, an die Oberfläche hinaufgeschlichen hat, appelliert nun an mich und meine mütterliche Verantwortung. Ich suche währenddessen nach einer sichtbaren, kinderfreundlichen (oder sollte ich besser familienfreundlich sagen) Möglichkeit besagtes Kloster zu besteigen – sehe sie jedoch nicht. Als ich abenteuerlustig verkünde, dass dort wahrscheinlich irgendwo in 300 m Höhe eine schmale Hängebrücke sei, die wir nur überqueren müssten, startet der Spanier den Wagen und fährt ohne einen Blick zurück weiter zum Kloster Agios Stefanos. Grinsend lege ich mich im Sitz zurück, machen wir uns halt erst einmal warm, bevor wir wie Roger Moore in James Bond die Klippen von Agia Triadas erklimmen.

Agios Stefanos – Vor dem wahren Abenteuer erst einmal warm machen

Der Eingang des Frauenklosters Agios Stefanoist äußerst unspektakulär und auch für den Spanier, seine Höhenangst und SEINE Kinder ohne Bedenken zu erreichen – es müssen lediglich eine Handvoll Stufen besiegt werden. Agios Stefanos ist ein sehr schönes gepflegtes Kloster, dessen Innenhof liebevoll bepflanzt ist und dessen Nonnen ganz angetan von unseren Mädchen sind. Meine Kleine ist allerdings nicht so schrecklich angetan von den schwarz gekleideten, kleinen Damen. Dies ändert sich jedoch schlagartig mit dem ersten Bonbon. Anschließend nähert sie sich jedem schwarz gekleideten Wesen mit einem erwartungsvollen Lächeln auf den Lippen…

So schön das Kloster Agios Stefanos auch ist, das James-Bond Kloster schwebt mir weiterhin durch den Kopf… Wie kann ich den Spanier nur von einem gemeinsamen Aufstieg überzeugen?  Ich mache es ähnlich wie er, allerdings appelliere ich an seine Abenteuerlust, immerhin haben der Spanier und ich unseren Abenteuer-Vorsatz vereinbart, an den ich ihn nun knallhart erinnere. Nebenbei versichere ich ihm, dass mir meine drei Lieblingsmenschen wichtig sind und ich sie natürlich nicht mit wissenden Auge in den Abgrund stützen lassen werden (sprich: falls es zu heftig werden sollte, drehen wir zu viert um!)

Agia Triadas – Auf den Spuren James Bonds

Und Leute, wie kann es anders sein, es wird nicht heftig. Wir müssen uns nicht 007 mäßig am Fels entlanghangeln und es droht auch kein Fast-Absturz! Das höchste der Gefühle sind ein bißchen Spannung und kleines Nervenkitzeln – aber in keiner Sekunde wird es gefährlich! Der Spanier erklimmt mit der Klitzekleinen in der Trage die in den Felsen geschlagene Steintreppen hinauf zum Kloster und ich stapfe tapfer mit der Kleinen an der Hand hinterher. Die hat eine Wahnsinnsgaudi und bemerkt den 50 cm entfernten Abgrund gar nicht (das daran liegen mag, dass sie zu klein ist, um über das Treppengeländer zu schauen!) Der Ausblick ist schlichtweg wundervoll! Stolz kämpft sich meine Kleine alle Stufen selbst hinauf. Es gibt tatsächlich nur einen kleinen Moment, an dem mir ein klitzekleines Bißchen mulmig wird, und das ist, als ich an dem Balkon des „Flaschenzugs“ stehe und über das Holzgeländer hinunterschaue… Tipp an alle mit und ohne Höhenangst: Lasst das sein! Ich fange mich schnell wieder und wir besichtigen den Rest des Klosters.

Kloster Varlaam: Nach dem Aufstieg ist vor dem Aufstieg

Auch der Aufstieg zum Kloster Varlaam ist nichts für Sonntagsfahrer. Diesmal geht’s tatsächlich über eine kleine, schmale Brücke in mehreren Metern Höhe! Aber es hört sich abenteuerlicher an, als es tatsächlich ist: kaum hat man die Brücke betreten, ist man auch schon auf der anderen Seite, so kurz ist sie. Dieses Mal hat die Kleine allerdings keine große Lust auf einen treppenreichen Aufstieg und er wird durch diverse Lockversuche meinerseits und „Päuschen“ ihrerseits („Mama, nur kleines Päuschen!“ erklärt sie mir auf jedem neuen Treppenansatz) ein wenig in die länge gezogen. Am Ende kommen wir aber doch oben an! Am Eingang werde ich, trotz meiner langen Hose, gebeten, mir einen „Leihrock“ umzubinden… Selbstredend verlangt meine Kleine auch nach einem. Zu dumm, dass diese länger sind als sie groß ist… und zu dumm, dass sich meine Mini ein kleines Bißchen in das „Rock-Thema“ hereinsteigest… Da es ohne Rock droht in einer Art Sitz-Schrei-Streik auszuarten, bekommt sie ihren Rock! (Für alle die jetzt pädagogisch wertvoll, die Augen verdrehen und mir einen von „Das Kind kann doch nicht immer ihren Willen bekommen“ erzählen wollen, hier meine pädagogische Strategie für heute: Wenn man so toll, den Aufstieg meistert, darf man auch schon mal ein paar Rock-er-Allüren an den Tag legen!). Keine zwei Meter weiter wird ihr das Ding natürlich zu lästig und wer rennt anschließend mit zwei Röcken schwitzend durch das Kloster? Richtig, meine Wenigkeit! 🙂

Das Kloster Varlaam ist eines der größeren Kloster und ebenfalls wunderschön mit Blumen verziert… keine Frage, dass die größte Zierde wohl der Ausblick ist (den alle Klöster gemeinsam haben)! Wir schlendern durch die Klosteranlage, erholen uns vom Aufstieg, ich schwitze ein bißchen vor mich her und kurze Zeit später befinden wir uns auf dem steilen Abstieg. Unsere Kleine macht es diesmal ganz raffiniert der Klitzekleinen gleich und lässt sich nach unten tragen… Woher haben ich nur diese zwei klugen Kinder! 😉

Kloster Metamorphosis – eine Planänderung muss her!

Eigentlich wollen wir noch das größte Kloster – Kloster Metamorphosis – kennenlernen, aber da wir befürchten, dass ein weiterer Aufstieg die Kleine an ihre – und demzufolge auch an unsere- Grenzen bringen wird, entscheiden wir uns dafür, in Ruhe Mittagessen zu gehen und den Tag nach dem verdienten Mittagsschlaf unserer Kinder am hoteleigenen Pool ausklingen zu lassen. So gesagt, so getan… und es war die richtige Entscheidung! Allerdings kommt beim Spanier und mir der Gedanke auf, dass wir so schnell nicht wieder in Kalambaka sein werden, und da wäre es doch schade, wenn wir das größte Kloster nicht mehr betrachten… Kennt ihr das, wenn da noch so eine Karotte vor der Nase baumelt und ihr könntet…?!? Kurzentschlossen planen wir den Aufstieg am nächsten Morgen nach dem Frühstück ein.

Was wir bei unserem Planungsumwurf nicht beachtet haben, heute ist Sonntag! Keine Ahnung, was das in Griechenland oder in Meteora bedeutet… vielleicht hat es auch gar nichts mit dem Tag, sondern viel mehr mit dem Kloster zu tun. Fakt ist auf jeden Fall, dass schon einen Platz für das Auto zu finden, sich als eine kleine Herausforderung darstellt. Die weitere Herausforderung stellt der Aufstieg dar. Mit gefühlt 30 Bussen bzw. ihren Insassen nehmen wir uns den Weg zum Kloster vor. Diesmal schlummert die Klitzekleine an mir und die Kleine lässt sich sportlich vom Papa nach oben tragen… Der Aufstieg an für sich ist wie die der anderen Klöster machbar – klar hier ein paar hunderte Stufen, da ein bißchen Hitze – aber was diesmal gar nicht geht, sind die Reisenden, die außer sich, niemanden sehen und einfach mal für 10 bis 20 Fotos stehen bleiben, alle möglichen Posen abdecken und somit den Aufstieg aller die hinter ihnen kommen, verhindern…! Das verärgert den ein oder anderen „Mitaufsteiger“ und es kommt zu interkulturellen Meinungsverschiedenheiten auf der steilen Treppe mit metertiefen Abgrund… Ein sehr besinnlicher Aufstieg aufs Kloster Metamorphosis! (Zur Beruhigung möchte ich kurz festhalten: ohne Verluste!)

Oben angekommen verläuft sich der Strom der Besucher auf dem großen Klostergelände. Trotz des unterhaltsamen Aufstiegs bin ich froh, dass wir uns dafür entschiedenen haben, dieses Kloster heute noch zu besuchen. Es hat einen wunderschön angelegten Klosterinnenhof und wunderschöne Wandbilder. Der alte Weinkeller und die Küche aus alten Zeiten bieten einen Einblick in das frühere Klosterleben – und ich kann felsenfest behaupten, ich bin zu tiefsten dankbar, nicht Teil diese Lebens gewesen zu sein :). Die Aussichtsplattform ist atemberaubend! Meiner Meinung nach ein bißchen zu atemraubend, da die hölzerne Abtrennung zwischen Abgrund und Plattform etwas wurmstichig aussieht… aus dem Grund wurde sie wohl auch mit einer hüfthohen Metallstange ergänzt. Der Spanier krallt sich die Kleine, da diese locker durch den hölzernen Zaun hindurch passen würde… und weiter will ich gar nicht denken!

Als wir dort stehen und den Ausblick bewundern, nimmt es uns auf einmal gänzlich den Atem! Plötzlich hängt ein Herr mit der oberen Körperhälfte und schreckverzehrtem Gesicht neben uns über der Balustrade. Der arme Kerl hat die letzte Stufe der Treppe voller Bewunderung auf den Ausblick übersehen, und hat nun dank seiner Unachtsamkeit einen halben Freiflug gewonnen… Was ein Schreck! Nicht nur für den Herrn, sondern offensichtlich auch für alle herbeieilenden Personen… Der Spanier nimmt die Kleine nun auf den Arm – sicher ist sicher!- und wir machen uns schnurstracks auf den Weg zurück zum Innenhof. Dort angekommen treffen wir wieder auf die fotowütigen Reisenden, die sich tatsächlich gegenseitig mit wedelnden Handbewegungen und „tschtsch“-Lauten aus den eigenen Fotos vertreiben. Wir schauen uns das witzige Schauspiel noch ein paar Minuten an, bis wir uns für den letzten Abstieg und somit Abschied entscheiden – ein letztes Mal steigen wir mit grandiosem Ausblick auf die Felslandschaft der Meteora-Klöster viele, viele Treppen herab und freuen uns über unser schwebendes Familienabenteuer!

Mein Fazit

Die Schwebenden Klöster sind ein nicht zu verpassendes Ereignis auf der Reise durch Griechenland – ein kleines Familienabenteuer! Auch mit zwei kleinen Kindern ist der Aufstieg durchaus zu meistern. Die meisten Kloster sind über einen 5-15 minütigen Treppenaufstieg zu erreichen und auch meine fast 3-jährige Tochter konnte mithalten (es gibt allerdings auch 1-2 Klöster, die ohne anstrengenden Aufstieg zu betreten sind). Allerdings vergesst nicht, dass die Hitze – insbesondere von Juni bis September- nicht nur euren Kindern, sondern vielleicht auch euch zusetzen kann. Demzufolge lasst den Aufstieg langsam angehen und nehmt vor allem Wasser mit (auf den Klöstern habe ich keine Cafés oder ähnliches gesehen, am Fusse der Kloster sind gelegentlich allerdings „Foodtrucks“ und Souvenirläden aufgestellt, an denen ihr auch Getränke kaufen könnt).

 

Ganz viel Spaß
bei einem atemberaubenden Ausblick
über die schwebenden Klöster!

 

4 Kommentare zu „Abenteuer-Aufstieg zu den „Schwebenden Klöstern“

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